BIKANER
So wie es gestern aufgehört hat, geht es heute weiter. Prognostiziert sind etwa 4 Stunden Fahrt über Schlaglöcher hinweg, an teilweise grünen Feldern vorbei, zwischen Kühen und Ziegen hindurch, Bussen ausweichend, kleine Rikschas und zu Fuß gehende Personen anhupend. Die Landschaft wird immer karger, wir nähern uns der Wüste. An vielen Dörfern und Tempeln und Kamelkarawanen vorbei.
Ankunft in BIKANER, wir wohnen im Hotel Gaj Kesri, es wurde einem indischen Palast nachempfunden. Entsprechend auch die Einrichtung (fast wie daheim). Das Hotel liegt etwas außerhalb von Bikaner, mitten in der Wüste. Das Gaj Kesri ist ein vegetarisches Hotel, da der Besitzer einer Glaubensrichtung angehört, die den Verzehr von Fleisch verbietet.
In Bikaner sehen wir das Junagarh Fort, welches mit seinen kostbardekorierten Innenräumen zu den interessantesten Festungsbauten Rajasthans zählt. Wuchtig steht es mitten in der Stadt und ist mit den 37 Bastionen und Wallanlagen weithin sichtbar. Die weitläufige Festung wurde Ende des 16. Jhdts erbaut, mehrere Innenhöfe, reichlich verzierte Räumlichkeiten. Satihände, das sind die Handabdrücke der Witwen, die sich mit ihren Männern verbrennen ließen. Blattgold und Kristallglas, Spiegeleffekte, chinesische Tapeten und holländische Kacheln, Höhepunkte sind Karan Mahal (Audienzhalle), Chandra Mahal (Mondpalast) und Anup Mahal (Wolkenpalast) mit Gemälden und Miniaturen und Badal Mahal, das Regen- oder Wolkenzimmer. Das Museum besitzt eine seltene Sammlung diverser Gegenstände bis in die Neuzeit, Lieblingsstücke des Maharadschas, u.a. ein Sportflugzeug. Zur mittleren Halle erzählt uns unser Guide eine nette Episode. Zum Holi Fest (das Fest der Farben, welches im März jeden Jahres zelebriert wird) setzt sich der Maharadscha auf seinen weißen Thron und wird mit dem gefärbten Wasser aus dem den Thron umgebenden Becken von seinen Untertanen bespritzt. Ein humorvoller und volksnaher Fürst.
Eine Reise durch Rajasthan ist nicht komplett, ohne den Rattentempel (Karni-Mata-Tempel) 30 km entfernt in Deshnoke gesehen zu haben, wo 1000e von Ratten von den Besuchern mit mitgebrachten Speisen und Getränken umsorgt werden.
Die Sage erzählt, daß diese Ratten Inkarnationen verstorbener Volksdichter seien, die bei einer Wiedergeburt wieder zu Menschen würden.
Wie in hinduistischen Tempeln üblich, müssen die Besucher vor dem Betreten ihre Schuhe ausziehen. Wenn man den Ratten hier so zuschaut, hat man wirklich den Eindruck, daß es den Viecherln wirklich gut geht, sie werden mit Reis, Bananen, Milch oder Joghurt gefüttert. Läuft einem eine Ratte über die Füße, bedeutet das Glück 'gehabt', nein danke.