Wagners Reisen: Indien 2010    Zu den BILDERN

AMBER

AMBER, das ca. 10 km nördlich von Jaipur liegt, war 7 Jhdte lang die Hauptstadt der Kachchwaha-Fürsten. Wir fahren mit dem Jeep zum Fort.

   Tausende von Blumenornamenten schmücken das Ganesha-Portal, durch dessen Gitter die wartenden Frauen des Maharajas Rosenblätter zu Füßen ihres Liebsten herab warfen. Im ältesten Teil der Anlage befinden sich die 12 getrennten Wohnungen für die 12 Frauen des Maharajas. Das gesamte obere Stockwerk war dem Maharaja vorbehalten. Um Zwist unter den Frauen zu vermeiden, führten von hier 12 versteckte Treppen in die einzelnen Wohnungen. So wusste keine der Frauen, welche gerade in der Gunst des Maharajas stand. An jeder Seite des Vierecks brachte er 3 Wohnungen an und erreichte so, dass sich die Frauen nur am Gemeinschaftsplatz gegenseitig sahen. Wir bahnen uns unseren Weg durch schmale Gänge, versteckte Innenhöfe und vorbei an so manchem verzierten Erker und kommen dann zur 'Halle der Freuden'. Den Höhepunkt des Rundganges bildet Shish Mahal, der Spiegelsaal. Über und über sind diese Räume an Wänden und Decke mit Ornamenten aus blinkenden Spiegelstückchen verziert. Wieder beim Jeep eingetroffen, stellen wir fest - Franz fehlt. Galser hat lange Zeit nach ihm gesucht, dann sind wir zum Bus zurückgefahren und siehe da - Franz ist wohlauf.

   Unser Rückweg nach Jaipur führt uns am Jal Mahal, dem Wasserschloss von Jaipur vorbei. Wir legen einen kurzen Fotostopp ein - aber wirklich nur kurz, denn hier wimmelts nur so von Bettlern und Händlern.

   Das Observatorium 'Jantar Mantar' des Hobbyastronomen Jai Singh II. besteht aus mit gelblichem Gips überzogenen Dreiecken, Kreisen und Säulen aus Ziegelstein im südlichen Hof des Palastkomplexes. Zwischen 1728 und 1734 wurden insgesamt 18 Instrumente errichtet. Mit ihnen lassen sich die Position und Bewegung von Sternen und Planeten bestimmen, die Zeit ablesen und sogar Voraussagen über die Intensität des Monsuns treffen und Horoskope bestimmen. Auch heute sind Horoskope für Inder noch sehr wichtig. Für Hochzeit, Geburt so wie jedes wichtige Ereignis, muss ein Sternkundiger ein Horoskop vorausberechnen.

   Ein Teil des Stadtpalastes wird auch heute noch von der Familie des Maharajas bewohnt und ist daher für die Öffentlichkeit gesperrt.
   Für die Öffentlichkeit zugänglich ist der im Jahre 1890 gebaute prächtige Stadtpalast als 'Sawai Man Singh Museum'.

   Um weithin sichtbar allen Bewohner anzuzeigen, ob der Maharadschaa anwesend ist, gibt es die 2 Fahnen-Anzeige. Sind beide Fahnen (große und kleine) sichtbar, bedeutet dies die Anwesenheit des Maharadschas. Highlight der Palastanlage ist der Pfauenhof mit den 4 berühmten Portalen: Lotos-, Pfauen-, Wellen- und Sonnen-Tor. Eines schöner als das Andere.

   Nachmittags haben wir freien Ausgang, Elisabeth, Josef, Rainer und Er(nst) und (Usch)I spazieren durch Jaipur, und siehe da - eine kleine Gruppe wird definitv weniger von Händlern und Bettlern belästigt, ganz entspannt genießen wir unseren Ausgang und haben so die Möglichkeit einen Hochzeitsumzug oder Baraat zu sehen. Für diese Feierlichkeit wird für den Hochzeitstag eine sehr laute und oft etwas falschspielende Band angeheuert. Der mit Girlanden geschmückte Bräutigam soll auf einem Pferd von seinem Haus zur Braut reiten. Ein indischer Baraat ist eine schweißtreibende und ohrenbetäubende Geschichte, die aber unheimlich viel Spaß macht und auf keinen Fall verpasst werden sollte.

   Es wird allgemein gescherzt, dass die Scheidungsrate in Indien deshalb eine der niedrigsten der Welt sei, weil sich niemand dieser langen Hochzeitszeremonie freiwillig noch einmal aussetzen möge.

   Morgens zeitig aufstehen, ganz wie die Maharadschas des 16. Jhdts werden auch wir den steilen Anstieg zum Palast auf dem Rücken eines Elefanten erleben. Zuvor ist noch ein wenig Anstellen notwendig. Touristen aller Nationen freuen sich auf den Ritt und warten geduldig, während sie versuchen, sich die Straßenhändler fernzuhalten. Doch wir ergattern ein Schnäppchen - eine xD-card um 14 Euro, zuhause in Wien kostet sie 19 Euro. Wir schaukeln in gemächlichem Tempo nach oben. Dazwischen rufen Fotografen und Händler. Beispiele gefällig? 'Remeber me, I'm Toni from Amber Fort', 'Alles billiger' aber auch der 'Hey' und der 'Hello' sind hier noch nicht ausgestorben.

   Wie man es sich im Märchen vorstellt. Daß die Männer riesige Turbane tragen, die Frauen in bunte Saris gekleidet und hinter Schleiern versteckt sind, Esel und Kamele die schweren Lasten über unbefestigte Straßen ziehen - das alles versteht sich irgendwie, irgendwann wie von selbst. Willkommen im orientalischen Mittelalter.